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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Inlandsprodukt

35 % mehr Zeit für unbezahlte Arbeit als für Erwerbsarbeit

- Ausführliche Erläuterungen zu Wert und Entwicklung der unbezahlten Arbeit -

Unter dem Gesichts­punkt der Wohl­fahrts­messung ist die von privaten Haushalten geleistete unbezahlte Arbeit sowohl für das gesellschaftliche und individuelle Wohl­befinden als auch für die materielle Versorgung mit Waren und Dienst­leistungen unverzichtbar. Diese Leistungen der privaten Haushalte sind aber kein Bestandteil der regelmäßigen Wirtschafts­berichterstattung und gehen nicht in das in den Volks­wirtschaftlichen Gesamt­rechnungen (VGR) ermittelte Brutto­inlands­produkt (BIP) ein. Die Tag für Tag erbrachten vielfältigen Tätigkeiten im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern und Pflege­bedürftigen, bei der Nachbarschafts­hilfe und bei ehrenamtlichen Tätigkeiten sind aber oft eine Voraussetzung für bezahlte Erwerbsarbeit. Um die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen umfassend abzubilden, darf die unbezahlte Arbeit nicht ausgeblendet werden.

Mit dem jetzt zum dritten Mal nach 1992 und 2001 erstellten Satelliten­system Haushalts­produktion wird diesem Daten­bedarf Rechnung getragen. Die Angaben zum zeitlichen Umfang der unbezahlten Arbeit basieren auf einer Befragung von mehr als 5 000 Haushalten zu deren täglicher Zeitverwendung aus den Jahren 2012 und 2013.

Entwicklung der Zeitverwendung für unbezahlte Arbeit

Von 1992 bis 2013 ist der durch­schnittliche Zeit­aufwand für unbezahlte Arbeit aller in Deutschland lebenden Personen ab zwölf Jahren spürbar gesunken: von durchschnittlich 4 Stunden pro Tag auf 3 ¼ Stunden. Vor allem bei Frauen zeigt sich in den letzten zwei Jahr­zehnten ein deutlicher Rückgang von knapp 5 Stunden im Jahr 1992 auf 4 Stunden in 2013, was einem Rückgang um 20 % entspricht. Dies dürfte im Wesentlichen auf drei Gründe zurückzuführen sein, die sich häufig untereinander bedingen:

  • Die gestiegene Erwerbs­beteiligung von Frauen:
    Die Erwerbstätigen­quote von Frauen im Alter von 15 bis 65 Jahren hat sich von 56,0 % im Jahr 1992 auf 68,8 % im Jahr 2013 erhöht.
  • Der Rückgang der Zahl an Kindern:
    1992 gab es 10,6 Millionen Kinder im Alter von unter zwölf Jahren, 2013 waren es nur noch 8,3 Millionen Kinder.
  • Der Trend, Hausarbeit zu substituieren:
    Diese Entwicklung ist ungebrochen, etwa durch den Einsatz vorgefertigter Nahrungsmittel und die Inanspruch­nahme von externen Dienst­leistungen, wie Haushalts­hilfen und Kinder­betreuungs­einrichtungen.

Nach wie vor leisten Frauen deutlich mehr an unbezahlter Arbeit als Männer: 2013 wendeten sie mehr als das 1,5‑Fache an Zeit im Vergleich zu Männern dafür auf, 1992 war es mehr als das 1,75‑Fache. Bei Männern hat sich der Umfang der unbezahlten Arbeit – ausgehend von einem geringeren Niveau als bei Frauen – aber nur um 7 % von täglich 2 ¾ Stunden in 1992 auf gut 2 ½ Stunden in 2013 reduziert.

Durchschnittliche Zeitverwendung für unbezahlte Arbeit; in Stunden am Tag1
Merkmal201320011992
1 Einbezogen ist die in Deutschland lebende Bevölkerung ab zwölf Jahren.
Bevölkerung insgesamt3 ¼3 ¾4
Frauen44 ½5
Männer2 ½2 ¾2 ¾

Trotz eines Anstiegs der Bevölkerung ab zwölf Jahren um 3 % von 70 Millionen in 1992 auf 72,3 Millionen in 2013 ist die Zeit für unbezahlte Arbeit in diesem Zeitraum um fast 13 % zurück­gegangen. Noch immer wird mehr Zeit für unbezahlte Arbeit und dazu gehörende Wegezeiten aufgebracht als für bezahlte Arbeit einschließlich Wegezeiten. Im Jahr 2013 wurde für unbezahlte Arbeit (89 Mrd. Stunden) rund 35 % mehr an Zeit aufgewendet als für Erwerb­sarbeit (66 Mrd. Stunden). In den Jahren zuvor lag der zeitliche Aufwand für unbezahlte Arbeit noch deutlicher über dem für Erwerbs­arbeit: 2001 war er für unbezahlte Arbeit (95 Mrd. Stunden) um 42 % und 1992 (102 Mrd. Stunden) um 48 % höher als der zeitliche Aufwand für Erwerbsarbeit (2001: 67 Mrd. Stunden, 1992: 69 Mrd. Stunden).

Jahresvolumen bezahlter und unbezahlter Arbeit in Milliarden Stunden 1 , 2
 Merkmal201320011992

1 Die Angaben zur unbezahlten Arbeit und zu den Wegezeiten für bezahlte und unbezahlte Arbeit basieren auf Zeitverwendungsstudien.

2 Die Angaben zur bezahlten Erwerbsarbeit sind den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen entnommen.

Unbezahlte Arbeit einschließlich Wegezeiten8995102
Erwerbsarbeit einschließlich Wegezeiten666769

Der Wert der unbezahlten Arbeit

Um die unbezahlte Arbeit mit den Aggregaten der Volks­wirtschaftlichen Gesamt­rechnung (VGR) vergleichen zu können, ist es notwendig, sie mit einem Stunden­lohn zu bewerten. Bei der Bestimmung eines geeigneten Stunden­lohns wurde unterstellt, dass alle Tätigkeiten im Haushalt von einer Haus­wirtschafterin bzw. einem Haus­wirtschafter übernommen werden, deren durchschnittlicher Netto­stunden­lohn im Jahr 2013 bei 9,25 Euro lag. Daraus ergibt sich ein Wert der unbezahlten Arbeit in Höhe von 826 Milliarden Euro. Dieser Wert liegt über dem der in den VGR errechneten Nettolöhne und -gehälter aller Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer (780 Mrd. Euro im Jahr 2013). Gegen­über 1992 (603 Mrd. Euro) hat sich der Wert der unbezahlten Arbeit um 37 % erhöht. Im Vergleich dazu sind die Nettolöhne und -gehälter aller Arbeit­nehmer­innen und Arbeit­nehmer seit 1992 (524 Mrd. Euro) mit + 49 % stärker angestiegen.

Wert der unbezahlten und bezahlten Arbeit in Milliarden Euro1
 Merkmal201320011992
1 Die unbezahlte Arbeit ist mit dem durchschnittlichen Nettostundenlohn einer Hauswirtschafterin/eines Hauswirtschafters in Höhe von 9,25 Euro bewertet. Die Angaben zum Arbeitseinkommen sind den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen entnommen.
Wert der unbezahlten Arbeit826677603
Nettolöhne der Arbeit­nehmer780619524
Arbeit­nehmerentgelt14311134929

Brutto­wertschöpfung der Haushalts­produktion und beim Brutto­inlands­produkt

Ausdruck der wirtschaftlichen Leistung in den Volks­wirtschaftlichen Gesamt­rechnungen (VGR) ist die Brutto­wert­schöpfung, die neben den gesamten Lohnkosten auch das auf unter­nehmerische Tätigkeiten und Vermögen entfallende Einkommen und die Abschreibungen für die Nutzung von Immobilien und Maschinen bei der Produktion beinhaltet. Bezogen auf die Haushalts­produktion bedeutet dies, dass zur Ermittlung der Brutto­wert­schöpfung neben dem Wert der Arbeitszeit unterstellte Abschreibungen für die Nutzung der Wohnung und der Wohnungs­einrichtung sowie von Fahrzeugen für die Haushalts­produktion hinzuzurechnen sind. Erst durch die Bestimmung der Brutto­wert­schöpfung bei der Haushalts­produktion kann ein umfassendes Bild der gesamten Produktion gezeigt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass kleinere Teile der Brutto­wert­schöpfung der Haushalts­produktion im Brutto­inlands­produkt schon enthalten sind. Ausführliche Erläuterungen hierzu sind in dem Aufsatz "Entwicklung der unbezahlten Arbeit privater Haushalte", in Wirtschaft und Statistik, Heft 2/2016 enthalten.

Bei einer Bewertung der unbezahlten Arbeitszeit mit dem Netto­stunden­lohn einer Haus­wirtschafterin bzw. eines Haus­wirtschafters entspricht die Brutto­wert­schöpfung der Haushalts­produktion im Jahr 2013 rund 39 % der im Brutto­inlands­produkt ausgewiesenen Brutto­wert­schöpfung. Im Jahr 1992 lag dieser Anteil noch bei 45 %. Die Brutto­wert­schöpfung bei der Haushalts­produktion hat sich zwischen 1992 und 2013 mit einem Anstieg um 43 % deutlich weniger erhöht als die im Brutto­inlands­produkt gemessene Brutto­wert­schöpfung (+ 65 %).

Bruttowert­schöpfung der Haushalts­produktion und im Brutto­inlands­produkt erfasste Brutto­wertschöpfung in Milliarden Euro
 Merkmal201320011992
Brutto­wertschöpfung bei der Haushalts­produktion987801688
Im Bruttoinlands­produkt erfasste Brutto­wertschöpfung253719701541

Dass die Brutto­wert­schöpfung der unbezahlten Arbeit trotz höherem Arbeits­einsatz erheblich unter der im Brutto­inlands­produkt gemessenen Brutto­wert­schöpfung liegt, ist auf einen vergleichs­weise niedrigen Ansatz für die Entlohnung der unbezahlten Arbeit und auf die höhere Kapital­intensität in Unternehmen gegenüber Haushalten zurückzuführen. Aber selbst bei diesem eher vorsichtigen Ansatz für die Bewertung der unbezahlten Arbeit liegt die Brutto­wert­schöpfung der Haushalts­produktion im Jahr 2013 mit 987 Milliarden. Euro über der Brutto­wert­schöpfung im Produzierenden Gewerbe (769 Mrd. Euro).

Ausführliche Informationen zu den Konzepten und Ergebnissen des Satellitensystems Haushalts­produktion sind in Wirtschaft und Statistik, Heft 2/2016 dargelegt.

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2018

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