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Bevölkerung

Durchschnittliche Kinderzahl

Die Geburtenentwicklung ist einer der wichtigsten Faktoren des demografischen Wandels in Deutschland. Die Geburtenmaßzahlen stehen deshalb im Fokus des gesellschaftlichen Interesses. Die amtliche Statistik liefert vielfältige Basisinformationen zu Geburten und zum Geburtenverhalten der Frauen.
Einen Überblick dazu bietet die Broschüre "Geburten in Deutschland – Ausgabe 2012".
In diesem Beitrag wird eine besonders oft zitierte Kennzahl erläutert: die sogenannte "durchschnittliche Kinderzahl je Frau". Dieser Indikator wird in der Regel verwendet, um die Geburtenhäufigkeit vergleichbar darzustellen, das heißt unabhängig von der jeweiligen Altersstruktur der Frauen. Um diese auf den ersten Blick einfache Kennzahl richtig zu verwenden und zu interpretieren, bedarf es einer Unterscheidung zwischen der Geburtenhäufigkeit der Frauen in einem Kalenderjahr einerseits und der Geburtenhäufigkeit der Frauen eines Geburtsjahrgangs im Laufe ihres Lebens andererseits.

Die zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre

Jedes Jahr veröffentlicht die amtliche Statistik die aktuelle Geburtenrate. Dabei handelt es sich um die so genannte zusammengefasste Geburtenziffer eines Kalenderjahres. Sie ist eine aktuell verfügbare Kennzahl, die das Geburtenverhalten der Frauen im jeweiligen Kalenderjahr charakterisiert. Das Geburtenverhalten wird anhand der altersspezifischen Geburtenziffern gemessen, die für jedes einzelne Altersjahr zwischen 15 bis 49 Jahren berechnet werden. Die altersspezifische Geburtenziffer zeigt dabei die Relation zwischen der Zahl der von Müttern eines bestimmten Alters geborenen Kinder und der Zahl aller Frauen dieses Alters. Durch die Addition - und damit Zusammenfassung - der altersspezifischen Geburtenziffern ergibt sich die zusammengefasste Geburtenziffer.

Was bedeutet die Aussage "Die zusammengefasste Geburtenziffer betrug im Jahr 2012 1,38 Kinder je Frau"?

Diese zusammengefasste Geburtenziffer beschreibt die Geburtenhäufigkeit aller Frauen, die im Jahr 2012 im Alter von 15 bis 49 Jahren waren. Unterstellt man, dass diese Frauen einen hypothetischen Jahrgang bilden, dann würde die endgültige durchschnittliche Kinderzahl dieses Jahrgangs 1,38 Kinder je Frau betragen.
Aufgrund ihres hypothetischen Charakters eignet sich die zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre nur eingeschränkt dazu, die durchschnittliche Zahl der Kinder treffend zu beurteilen, die ein realer Frauenjahrgang schließlich zur Welt bringt. Für diesen Zweck sollte die sogenannte endgültige Kinderzahl oder Kohortenfertilität verwendet werden.

Was sagt die Höhe der zusammengefassten Geburtenziffer aus?

Um die gegenwärtige Bevölkerungszahl aufrechtzuerhalten, müssten im Durchschnitt pro Elternpaar etwas mehr als 2 Kinder geboren werden (zusammengefasste Geburtenziffer von 2,1 Kinder je Frau), die, wenn sie erwachsen sind, selbst wieder mindestens zwei Kinder bekommen müssten um so die vorangegangenen Generationen zu ersetzen. Eine Geburtenziffer unter diesem sogenannten Bestandserhaltungsniveau führt zu einer sinkenden und alternden Bevölkerung.

Was bedeutet Zu- oder Abnahme der zusammengefassten Geburtenziffer?

Wenn die zusammengefasste Geburtenziffer zu- oder abnimmt, heißt es zuerst einmal, dass sich die altersspezifischen Geburtenziffern verändert haben. Dies kann eine Kurzzeitreaktion auf wirtschaftliche, soziale, politische Impulse oder auch ein Ausdruck von einem sich wandelnden Geburtenverhalten sein. Um kurzfristige Schwankungen von einem Trend unterscheiden zu können, sollte die zusammengefasste Geburtenziffer stets in Verbindung mit der Entwicklung der altersspezifischen Geburtenhäufigkeit und der Kohortenfertilität betrachtet werden. Dies ist umso wichtiger, weil auch eine konstante zusammengefasste Geburtenziffer noch kein eindeutiges Indiz für ein stabiles Geburtenverhalten ist. Gerade die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist ein gutes Beispiel dafür: Während die zusammengefasste Geburtenziffer um 1,4 Kinder je Frau lediglich leicht variierte, nahmen die Geburtenziffern der unter 30-jährigen Frauen kontinuierlich ab und die Geburtenziffern der über 30-Jährigen zu. In der Summe haben sich diese Effekte gegenseitig aufgehoben und die zusammengefasste Geburtenziffer nur marginal beeinflusst.

Wie veränderte sich die zusammengefasste Geburtenziffer zwischen 1950 und 2012?

Zu Beginn der 1960er Jahre hatten beide Teile Deutschlands einen Anstieg der Zahl der Geburten mit den höchsten zusammengefassten Geburtenziffern der Nachkriegszeit von 2,5 Kindern je Frau erlebt. Die damals geborenen Kinder bilden heute die starken Jahrgänge der Mittvierziger. Das folgende rapide Sinken der Zahl der Geburten setzte in der ehemaligen DDR schon 1964 ein, seit 1967 nahm auch im früheren Bundesgebiet die Zahl der Geburten kontinuierlich ab. Damit verringerte sich auch die zusammengefasste Geburtenziffer stark.

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Der Rückgang im früheren Bundesgebiet dauerte fast zwanzig Jahre, Mitte der 1980er Jahre erreichte die zusammengefasste Geburtenziffer ihr Tief mit weniger als 1,3 Kindern je Frau. Das Absinken der zusammengefassten Geburtenziffer wurde hierbei nicht nur dadurch verursacht, dass tatsächlich weniger Kinder als in den Jahren davor geboren wurden. Zu diesem Rückgang der Geburtenhäufigkeit trug auch bei, dass ein immer größerer Teil der Frauen ihre Familiengründung in ein höheres Alter aufgeschoben hat. Danach stieg die zusammengefasste Geburtenziffer bis 1990 auf 1,45 an und schwankte dann - mit Ausnahme von einzelnen Jahren - geringfügig um 1,4 Kinder je Frau.

Die ehemalige DDR wirkte dem Geburtenrückgang ab Mitte der 1970er Jahre mit umfangreichen staatlichen Fördermaßnahmen für Familien mit Kindern entgegen. Diese Politik führte sogar zu einem kurzfristigen Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer im Jahr 1980 auf 1,94 Kinder je Frau. Dann ging auch hier die Geburtenhäufigkeit allmählich wieder zurück. In Folge der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche, die in den neuen Ländern mit der deutschen Wiedervereinigung einhergingen, brach hier die Zahl der Geburten und mit ihr die zusammengefasste Geburtenziffer stark ein: Von 1990 bis 1994 sank die zusammengefasste Geburtenziffer von 1,52 auf 0,77. Seit 1995 nimmt die damit gemessene Geburtenhäufigkeit der Frauen in den neuen Ländern wieder zu. Im Jahr 2007 war sie mit 1,37 Kindern je Frau genauso hoch und ab dem Jahr 2008 mit 1,40 Kindern je Frau bereits höher als in den alten Ländern.

Für das Jahr 2012 zeigt sich nach Angaben der Geburtenstatistik ein leichter Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer für Deutschland von 1,36 auf 1,38 Kinder je Frau. Damit lag sie etwa auf dem Niveau von 2008. In den neuen Ländern war die zusammengefasste Geburtenziffer mit 1,45 Kindern je Frau höher als im früheren Bundesgebiet (1,37).

Kohortenfertilität (endgültige Kinderzahl)

Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau wird auch als Maß der Kohortenfertilität für Frauenjahrgänge (Kohorten) berechnet. Bei der Addition der altersspezifischen Geburtenziffern wird in diesem Fall nicht ein bestimmtes Kalenderjahr betrachtet, sondern es werden die altersspezifischen Geburtenziffern aus den 35 Kalenderjahren herangezogen, in denen die Frauen eines Jahrgangs das Alter von 15 bis 49 Jahren durchschritten haben. Erreichte ein Jahrgang das 50. Lebensjahr, entspricht die so berechnete zusammengefasste Geburtenziffer der endgültigen Kinderzahl, die dieser Jahrgang durchschnittlich zur Welt gebracht hat. Im Jahr 2012 war es zuletzt der Jahrgang 1963; die Frauen dieses Jahrgangs brachten durchschnittlich 1,6 Kinder zur Welt.
Für jüngere Frauen kann hilfsweise die bis zum jeweiligen Alter erreichte durchschnittliche Kinderzahl (ermittelt als Summe der altersspezifischen Geburtenziffern bis zu diesem Alter) herangezogen werden. Es kann z. B. hilfreich sein, die bis zum Alter von 35 Jahren erreichte Kinderzahl der 1950er und 1970er Jahrgänge zu vergleichen. Die endgültige Kinderzahl der Frauen unter 49 Jahren kann allerdings nur geschätzt werden. Die Schätzung für die Jahrgänge im Alter von 43 bis 48 Jahren ist zuverlässig, da sich die endgültige Kinderzahl ab dem Alter von 43 Jahren nur marginal verändert. Für die noch jüngeren Frauen bleibt die endgültige Kinderzahl erst einmal unbekannt.

Wie unterscheiden sich die zusammengefasste Geburtenziffer eines Jahres und die endgültige Kinderzahl eines Jahrgangs?

Die endgültige Kinderzahl eines Jahrgangs unterscheidet sich sowohl inhaltlich als auch meistens im Niveau von der auf ein Kalenderjahr bezogenen zusammengefassten Geburtenziffer. Die zusammengefasste Geburtenziffer eines Kalenderjahres beschreibt die durchschnittliche Kinderzahl, die sich aus dem Geburtenverhalten der Frauen im jeweiligen Jahr ergibt. Dabei bleiben die Geburten vor und nach dem betrachteten Jahr unberücksichtigt. Die endgültige Kinderzahl gibt dagegen das spezifische Verhaltensmuster realer Frauenjahrgänge in Bezug auf die Familienbildung wieder. Die Frauen der älteren Jahrgänge sind meistens früher in ihrem Leben Mutter geworden als die Frauen jüngerer Generationen. Während des Übergangs zu dem neuen Geburtenverhalten, der sich zuerst im Rückgang der Geburtenhäufigkeit der unter 30-Jährigen äußerte, sank die zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre rapide (Schaubild "Zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre"): Ende 1960er - Anfang der 1970er Jahre im früheren Bundesgebiet, Anfang der 1990er Jahre in den neuen Ländern. Da die späte Familiengründung jedoch nicht zwangsläufig weniger Kinder bedeutet, haben viele Frauen ihre Geburten zu einem späteren Zeitpunkt "nachgeholt". Der Anstieg des Alters der Frauen bei der ersten Geburt führte zwar letztlich zum Absinken der endgültigen Kinderzahl bei den Frauen der betroffenen Jahrgänge. Dieses fiel aber nicht so gravierend aus, wie der Rückgang der zusammengefassten Geburtenziffer der Kalenderjahre zunächst vermuten ließ.

Wie hat sich die Kohortenfertilität der Frauenjahrgänge entwickelt?

Zwischen den Frauenjahrgängen im früheren Bundesgebiet einerseits und in den neuen Ländern andererseits zeigen sich Unterschiede sowohl im aktuellen Niveau, als auch in der bisherigen Entwicklung der Geburtenhäufigkeit (Schaubild "Endgültige Kinderzahl"). Die in den 1930er Jahren geborenen Frauen brachten in beiden Teilen Deutschlands im Durchschnitt noch etwa gleich viele Kinder zur Welt: die endgültige Kinderzahl der Frauen dieser Kohorten lag bei über 2 Kindern je Frau. Innerhalb der nächsten dreißig Jahre ging die endgültige Kinderzahl je Frau im früheren Bundesgebiet um etwa 25% zurück. Besonders schnell sank sie zwischen den Jahrgängen 1934 (2,2) und 1943 (1,8). Dieser Rückgang spiegelte den Übergang vom stark ausgeprägten familienorientierten Geburtenverhalten in den Zeiten des sogenannten Babybooms (Ende der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre) zu neuen Lebensverläufen wider, die sich infolge des sozialen Wandels um das Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre herausgebildet haben. Danach hat sich der Rückgang fortgesetzt, er verlief aber langsamer. Die Frauen der Kohorte 1963, die im Jahr 2012 das 50. Lebensjahr erreichten, haben im früheren Bundesgebiet durchschnittlich 1,5 Kinder zur Welt gebracht.

In der ehemaligen DDR ging die endgültige Kinderzahl der Frauenjahrgänge zwischen den Kohorten 1934 und 1947 von 2,1 auf 1,8 Kinder je Frau ähnlich wie in Westdeutschland zurück. Danach verharrte sie allerdings mehr als ein Jahrzehnt auf diesem relativ hohen Niveau. Wie aus dem Schaubild "Zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre" ersichtlich, sank das jährliche Geburtenniveau auch in der ehemaligen DDR Anfang der 1970er Jahre beträchtlich. Der Geburtenrückgang war hier aber von kurzer Dauer: bereits ab 1976 nahm die zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre wieder zu. Die endgültige Kinderzahl der Frauenjahrgänge wurde von diesem kurzen Rückgang nicht beeinträchtigt.

Kinderzahl je Frau nach GeburtsjahrgängenBild vergrößern

Eine neue Entwicklung in der Kohortenfertilität der ostdeutschen Frauen markiert die Kohorte 1960. Die endgültige Kinderzahl der Kohorten 1960 und 1961 ist im Vergleich zu den Kohorten der 1950er Jahre gesunken.
In den nächsten fünf Jahren wird die endgültige Kinderzahl je Frau voraussichtlich weiter sinken. So haben beispielsweise die Frauen des Jahrgangs 1968 bis zum Alter von 44 Jahren durchschnittlich 1,5 Kinder geboren. Ihre endgültige Kinderzahl im Alter von 49 Jahren wird höchstwahrscheinlich geringer ausfallen als die des Jahrgangs 1963 (1,6).

Siehe auch methodische Hinweise zu "Geburtenraten und Tempoeffekt", Broschüre "Geburten in Deutschland – Ausgabe 2012", StatMagazin "Von niedrigen Geburtenzahlen und fehlenden Müttern..."

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