Qualität der Arbeit
- Qualifikation und
Weiterbildung
Dimension 6: Qualifikation und Weiterbildung
- Information zur Dimension 6
- Erwerbstätige in hochqualifizierten Berufen
- Weiterbildungsquoten
- Unter- und Überqualifikation
Information zur Dimension 6
Qualifikation und Weiterbildung
Qualifikation spielt in mehrerlei Hinsicht eine wichtige Rolle für die Qualität von Arbeit. So trägt eine gute berufliche Qualifikation dazu bei, einfacher eine Arbeit zu finden, die meist besser bezahlt wird und sich typischerweise in einem Bereich mit einem geringeren Unfall- bzw. Gesundheitsrisiko befindet.
Eine höher qualifizierte Tätigkeit ist häufig auch mit einer höheren Arbeitszufriedenheit verbunden. Passen die Anforderungen einer Stelle nicht zur Qualifikation des Erwerbstätigen kann das aber auch zu Unzufriedenheit und Frustration durch Unter- oder Überforderung führen.
Berufliche Weiterbildung stellt sicher, dass die Qualifikation, die eine Person durch einen formalen Bildungsabschluss erworben hat, mit sich wandelnden Anforderungen am Arbeitsplatz Schritt halten kann. Dem Lebenslangen Lernen kommt in Zeiten einer immer schneller werdenden Wissenswandels eine immer größere Rolle zu.
Erwerbstätige in hochqualifizierten Berufen
Wie hoch ist der Anteil der Erwerbstätigen in Berufen, die eine höhere Qualifikation voraussetzen? Betrachtet werden Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in akademischen Berufen oder als Fachkräfte in hochqualifizierten Berufen (z. B. im Technik- oder Gesundheitsbereich) bzw. als Führungskräfte tätig sind.
Dazu zählen auch Berufe, die an Fachhochschulen, Berufsakademien sowie Berufsfachschulen erlernt werden.
Charakteristisch für hochqualifizierte Berufe ist, dass sie spezialisierte Kenntnisse im jeweiligen Fachgebiet voraussetzen. Arbeitsabläufe müssen weitgehend selbst strukturiert werden und die Arbeit umfasst oft auch Mitarbeiterverantwortung.
Vier von zehn Erwerbstätigen arbeiten in hochqualifizierten Berufen
2015 arbeiteten 44 % der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in einem hochqualifizierten Beruf. Diese Männer und Frauen waren z. B. als leitende Angestellte in Wirtschaft oder Verwaltung tätig, gingen wissenschaftlichen Tätigkeiten nach, arbeiteten als Programmierer, Ingenieure, Ärzte, Sozialwissenschaftler, Lehrer, Techniker, Physiotherapeuten, Kriminalkommissare oder Sozialpädagogen.
Frauen eher in hochqualifizierten Jobs
Frauen arbeiteten häufiger als Männer in den Berufen, die eine hohe Qualifikation voraussetzen. 47 % der erwerbstätigen Frauen waren in solchen Jobs zu finden, gegenüber 42 % bei den Männern. Der höhere Anteil bei den Frauen ergibt sich aus der relativ großen Zahl an Lehrerinnen, Pädagoginnen sowie medizinischen und technischen Assistentinnen. Demgegenüber war der Anteil der Männer in Führungspositionen oder in akademischen Berufen höher.
Alter von ... bis ... Jahren | 2015 | 2005 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Insgesamt | Frauen | Männer | Insgesamt | Frauen | Männer | |
1 Personen in hochqualifizierten Berufen üben einen Beruf in den ISCO-Hauptgruppen 1-3 aus. Quelle: Ergebnis der Arbeitskräfteerhebung. | ||||||
| 15 bis 24 | 29,1 | 39,4 | 20,0 | 25,6 | 34,1 | 18,1 |
| 25 bis 34 | 47,3 | 53,9 | 41,5 | 42,5 | 48,6 | 37,7 |
| 35 bis 44 | 47,6 | 50,0 | 45,5 | 43,2 | 44,8 | 42,0 |
| 45 bis 54 | 44,6 | 44,2 | 45,0 | 43,1 | 43,7 | 42,6 |
| 55 bis 64 | 44,2 | 43,3 | 45,1 | 45,8 | 42,2 | 48,4 |
| Insgesamt | 44,3 | 46,8 | 42,0 | 41,4 | 43,7 | 39,5 |
Hochqualifizierte Berufe werden immer wichtiger
Seit 1992 ist der Anteil der Erwerbstätigen mit höher qualifizierten Tätigkeiten deutlich gestiegen. 1992 war der Anteil bei 33 %, 2015 bei 44 %. Der Anstieg wird durch einen Zuwachs bei den Angehörigen akademischer Berufe mit rund 7 Prozentpunkten und der Fachkräfte in höher qualifizierten Berufen (z. B. im Technik- oder Gesundheitsbereich) getragen.
An dieser Entwicklung hatten beide Geschlechter gleichermaßen Teil.
Auch der Anteil der Erwerbstätigen in hochqualifizierten Berufen unter jungen Berufstätigen bis 25 Jahre (die üblicherweise noch kein Studium abgeschlossen haben) ist deutlich angestiegen. Er stieg zwischen 1992 und 2015 um elf Prozentpunkte. Dies ist auf die wachsende Zahl von Berufen im medizinisch-technischen oder pädagogischen Bereich zurückzuführen, die höhere Qualitätsanforderungen stellen. Außerdem hat der Anteil junger Menschen in akademischen Berufen leicht zugelegt, was unter anderem Folge verkürzter Studienzeiten sein dürfte.
Informationen zum Indikator
Beschreibung/Definition
Anteil der Erwerbstätigen (15 bis 64 Jahre) mit Berufen der ISCO-Hauptgruppen 1, 2 oder 3 an allen Erwerbstätigen (15 bis 64 Jahre).
Quelle
Arbeitskräfteerhebung
Hinweise zur Interpretation
Die Arbeitskräfteerhebung wurde in den vergangenen Jahren hinsichtlich der Erfassung des Erwerbsstatus kontinuierlich methodisch verbessert. Dadurch sind Zeitvergleiche teilweise eingeschränkt. Methodische Veränderungen mit Auswirkungen auf die Ergebnisse wurden insbesondere in den Jahren 2005 und aktuell für die Jahre ab 2011 durchgeführt. Die Ergebnisse in diesen Jahren sind daher nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
Die aktuelle Veränderung berücksichtigt in der Hochrechnung die Bevölkerungseckwerte aus der Fortschreibung des mit Stichtag 9. Mai 2011 durchgeführten Zensus und revidiert die Ergebnisse für die Jahre 2011 - 2013.
Möglicherweise ergibt sich im Jahr 2012 ein Zeitreihenbruch durch die Einführung der neuen internationalen Berufsklassifikation (ISCO-08).
Weitere Informationen hierzu finden Sie in den Qualitätsberichten und Methodeninformationen.
Weiterbildungsquoten
Wie hoch ist der Anteil der Erwerbstätigen, die in den vergangenen vier Wochen an Veranstaltungen zur beruflichen Weiterbildung teilgenommen haben? Bezogen wird der Anteil auf alle Erwerbstätigen im Alter von 25 bis 64 Jahren. Es zählt nur die Teilnahme, unabhängig von Anzahl und Dauer der besuchten Veranstaltungen.
Als Weiterbildung gelten formale Bildungsgänge zum Erwerb eines weiterführenden Bildungsabschlusses oder zur Umschulung. Außerdem werden Lehrveranstaltungen der nichtformalen Weiterbildung einbezogen. Diese sind meist weniger umfangreich und führen nicht zu einem allgemein anerkannten Abschluss. Sie können unterschiedliche Qualifikationen wie Führungskompetenzen, Sprachen oder den Umgang mit Software vermitteln.
Jeder Zwanzigste hat sich im letzten Monat beruflich weitergebildet
Unter den 25- bis 64-Jährigen Erwerbstätigen hatten sich 2015 5,1 % an Kursen und Lehrgängen der beruflichen Weiterbildung beteiligt. Die Weiterbildungsquoten der Männer und Frauen unterschieden sich dabei kaum. 5,4 % der Frauen und 4,7 % der Männer gaben an, in den letzten vier Wochen vor der Befragung mindestens eine Weiterbildungsveranstaltung besucht zu haben.
Erwerbstätige im Alter von 25 bis 34 Jahren beteiligten sich mit 5,9 % häufiger an beruflicher Weiterbildung als andere Altersgruppen. Am niedrigsten war die Beteiligung bei den 55- bis 64-Jährigen mit 3,8 %, die kurz vor dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben steht.
Erwerbstätige in Vollzeit nehmen deutlich häufiger an Kursen und Lehrgängen der beruflichen Weiterbildung teil als Teilzeitbeschäftigte. Im Jahr 2015 lag die Weiterbildungsquote der Vollzeitbeschäftigten mit 5,5 % um fast die Hälfte höher als die der Teilzeitbeschäftigten (3,9 %).
Neben der beruflichen Weiterbildung gibt es aber auch noch die Möglichkeit an Weiterbildungsangeboten aus eigener Initiative teilzunehmen. Die beruflichen Fortbildungen nehmen mit 92 % jedoch den wesentlich größeren Teil ein.
| Geschlecht | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
1 Erwerbstätige die in den letzten 4 Wochen vor der Befragung an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben. Quelle: Ergebnis der Arbeitskräfteerhebung. | ||||||||||
| Frauen | 5,7 | 5,9 | 6,1 | 5,8 | 5,8 | 5,9 | 5,8 | 5,5 | 5,4 | 5,4 |
| Männer | 5,1 | 5,3 | 5,3 | 5,0 | 4,9 | 5,0 | 5,1 | 4,8 | 4,8 | 4,7 |
| Insgesamt | 5,4 | 5,6 | 5,7 | 5,4 | 5,3 | 5,4 | 5,4 | 5,1 | 5,1 | 5,1 |
Weiterbildungsbeteiligung im Zeitverlauf
Die längerfristige Entwicklung der Weiterbildungsbeteiligung wird mit Hilfe einer dreijährlichen Personenbefragung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) beobachtet. Die Befragung zeigt, dass der Anteil der Erwerbstätigen, die sich in den jeweils zurückliegenden zwölf Monaten beruflich weitergebildet haben, seit Anfang der 1990er Jahre bis 1997 von 37 % auf 48 % gestiegen ist.
Danach war die Beteiligung an der beruflichen Weiterbildung rückläufig und die Beteiligung sank bis 2003, lag aber noch über dem Niveau vom Anfang der 1990er Jahre. Zwischen 2000 und 2010 lag die Weiterbildungsbeteiligung bei knapp über 40 %. Seitdem steigt die Weiterbildungsquote kontinuierlich an und erreichte im Jahr 2014 mit 51 % ihren bisherigen Höchststand.
Informationen zum Indikator
Beschreibung/Definition
Anteil der Erwerbstätigen (25 bis 64 Jahre), die in den letzten 4 Wochen vor der Befragung an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben an allen Erwerbstätigen (25 bis 64 Jahren).
Quelle
Arbeitskräfteerhebung, AES Trendbericht 2014
Hinweise zur Interpretation
Die Arbeitskräfteerhebung wurde in den vergangenen Jahren hinsichtlich der Erfassung des Erwerbsstatus kontinuierlich methodisch verbessert. Dadurch sind Zeitvergleiche teilweise eingeschränkt. Methodische Veränderungen mit Auswirkungen auf die Ergebnisse wurden insbesondere in den Jahren 2005 und aktuell für die Jahre ab 2011 durchgeführt. Die Ergebnisse in diesen Jahren sind daher nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar.
Die aktuelle Veränderung berücksichtigt in der Hochrechnung die Bevölkerungseckwerte aus der Fortschreibung des mit Stichtag 9. Mai 2011 durchgeführten Zensus und revidiert die Ergebnisse für die Jahre 2011 - 2013.
Weitere Informationen hierzu finden Sie in den Qualitätsberichten und Methodeninformationen.
BMBF (2014): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. Ergebnisse des Adult Education Survey - AES Trendbericht
Unter- und Überqualifikation
Wie hoch ist der Anteil der Erwerbstätigen, deren berufliche Qualifikation den Anforderungen des Arbeitsplatzes entspricht?
Im besten Fall stimmen die Anforderungen des Arbeitsplatzes mit der individuellen Qualifikation des Arbeitnehmers überein. Zu einer Über- oder Unterqualifikation kann es jedoch kommen, wenn beispielsweise ein Ungleichgewicht des Angebots und der Nachfrage nach bestimmten beruflichen Qualifikationen vorliegen.
Die große Mehrheit der Erwerbstätigen ist adäquat qualifiziert
Im Jahr 2014 gaben 73 % der Erwerbstätigen an, dass ihre aktuell ausgeübte berufliche Tätigkeit ihrer Qualifikation entspricht. Jeder zehnte Erwerbstätige gab an, für den Arbeitsplatz überqualifiziert zu sein. Lediglich 2 % der Erwerbstätigen schätzten ihre Qualifikation als zu niedrig ein. Überqualifikation tritt somit gut fünf Mal so häufig auf wie Unterqualifikation. Die verbleibenden 15 % machten keine Angabe zur Übereinstimmung von beruflicher Qualifikation und Anforderungen des Arbeitsplatzes.
Frauen sind häufiger überqualifiziert als Männer
Männer waren 2014 häufiger adäquat qualifiziert als Frauen: Jeder dritte Mann gab an, dass seine Qualifikation den Arbeitsanforderungen entspricht, bei den Frauen war dies nur zu 71 % der Fall. Während sich im Hinblick auf die Unterqualifikation keine Geschlechterunterschiede zeigten, gaben 12 % der Frauen an für ihren Arbeitsplatz überqualifiziert zu sein. Unter den Männern betrug dieser Anteil nur 9 %. Die geringere Übereinstimmung von Qualifikation und Arbeitsanforderungen bei Frauen gegenüber Männern kann demnach alleine auf den höheren Anteil überqualifizierter Frauen zurückgeführt werden.
| Geschlecht | Unterqualifikation | Adäquate Qualifikation | Überqualifikation | Keine Angabe |
|---|---|---|---|---|
| Quelle: Ergebnisse des Mikrozensus (Zusatzerhebung 2014). | ||||
| Männer | 1,8 | 75,1 | 8,6 | 14,4 |
| Frauen | 1,8 | 70,8 | 12,4 | 15,1 |
| Insgesamt | 1,8 | 73,0 | 10,4 | 14,7 |
Gut ein Viertel der Hilfsarbeitskräfte sind überqualifiziert
Die berufliche Qualifikation der Erwerbstätigen in höherqualifizierten Tätigkeiten entspricht den Arbeitsanforderungen am häufigsten. Führungskräfte, Akademiker sowie Techniker und Erwerbstätige in gleichrangigen nichttechnischen Berufen wiesen 2014 in rund acht von zehn Fällen eine adäquate Qualifikation auf. Eine besonders ausgeprägte Diskrepanz zwischen vorhandener Qualifikation und Anforderungen des Arbeitsplatzes existiert bei Hilfsarbeitskräften. Über 27 % dieser Berufsgruppe gaben an, für ihre Tätigkeit überqualifiziert zu sein.
Informationen zum Indikator
Beschreibung/Definition
Anteil der Erwerbstätigen (15 bis 64 Jahre) mit Über- bzw. Unterqualifikation an allen Erwerbstätigen (15 bis 64 Jahre).
Konkret wird der Befragte gebeten anzugeben, ob die derzeit ausgeübte Tätigkeit seiner Qualifikation entspricht.
Quelle
Mikrozensus (Zusatzerhebung 2014)
Hinweise zur Interpretation
Die Angaben beruhen auf der Selbsteinschätzung der Befragten.
Weitere Informationen hierzu finden Sie in den Qualitätsberichten und Methodeninformationen.



